Was ist fairer Handel?

Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt
beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt.
Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte
ProduzentInnen und ArbeiterInnen – insbesondere in den Ländern des Südens–
leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.

Fairer Handel...

...schafft Marktzugang für benachteiligte ProduzentInnen

...unterhält langfristige, transparente und partnerschaftliche Handelsbeziehungen und schließt unfairen Zwischenhandel aus

...zahlt den ProduzentInnen faire Preise, die ihre Produktions- und Lebenshaltungskosten decken und leistet auf Wunsch Vorfinanzierung

...stärkt die Position und sichert die Rechte von ArbeiterInnen und KleinbäuerInnen sowie ihrer Organisationen im Süden

...trägt zur Qualifizierung von ProduzentInnen und Handelspartnern im Süden bei

...gewährleistet bei der Produktion die Einhaltung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO)

...sichert die Rechte von Kindern und fördert die Gleichberechtigung von Frauen

...fördert den Schutz der Umwelt, z.B. durch Umstellung auf biologische Landwirtschaft

...leistet Bildungs- und politische Kampagnenarbeit, um die Regeln des Welthandels gerechter zu gestalten

...stellt durch Überprüfungsmechanismen sicher, dass diese Kriterien eingehalten werden

Was können Sie tun?

Die Gemeinde Köngen, die Evangelische und die Katholische Kirchengemeinde sowie die Evangelisch-methodistische Kirche haben beschlossen, für eine große Anzahl von Produktgruppen ausschließlich Fair gehandelte Waren zu beschaffen.

Achten Sie beim Einkauf auf Nachhaltigkeit. Kaufen Sie regional und ökologisch erzeugte Produkte. Und wenn schon von weit her, dann möglichst umwelt- und sozialverträglich! So können Sie von Köngen aus die ökologischen und gesellschaftlichen Bedingungen in fernen Ländern verbessern.

Fair gehandelte Produkte erkennen Sie am aufgedruckten Label.
Die nebenstehend aufgeführten Label und Fairhandelsorganisationen garantieren Ihnen, dass die Produkte nach den Kriterien des Fairen Handels produziert wurden.

Fair-Handels-Labels und -Organisationen

ORGANISATIONEN

Gepa steht für sozialen und umweltverträglichen Handel mit Lebensmitteln, Handwerk und Textilien aus Afrika, Asien und Lateinamerika.
www.gepa.de

dwp: Dritte Welt Partner (dwp)
importiert Kunsthandwerk und
Lebensmittel zu fairen Preisen.
www.dwp-rv.de

El Puente spanisch „die Brücke“ führt unter anderem Lebensmittel, Kunsthandwerk, Textilien, Musikinstrumente und Wohnaccessoires. www.el-puente.de

BanaFair vermarktet Fair
Trade- und Biobananen von
Kleinbauernorganisationen aus
Lateinamerika und der Karibik.
www.bananafair.de

Naturland Fair vereint
Ökologischen Landbau, Soziale
Verantwortung und Fairen Handel - regional und weltweit.
www.naturland.de

 

 

Fairer Handel – alternativer Handel – fair trade – Fairtrade
Der Begriff „fair“ ist nicht geschützt.

Fairer Handel bezeichnet ganz allgemein gerechtes Verhalten beim lokalen bis internationalen Warenaustausch.
Gleichzeitig bezeichnet er sowohl eine Form von Handel, bei dem bestimmte, als fair bewertete Kriterien erfüllt sind,
als auch  Organisationen und Unternehmen, die mit oder ohne Siegel die wichtigsten dieser Kriterien erfüllen.
Alternativer Handel steht für einen Handel, der mit eigenen Strukturen arbeitet, parallel zum konventionellen.
Die Waren kommen dabei über spezielle Importeure vom Produzenten zum Konsumenten und werden in eigenen Verkaufsstellen verkauft, meist in den sogenannten Weltläden.
Fair trade entspricht dem deutschen Begriff „fairer Handel“.
Fairtrade steht für das gleichnamige blau-grüne Produktsiegel. Dessen Standard definiert Fairtrade International, der Dachverband aller nationalen Fairtrade-Siegelorganisationen.
Quelle: nach C. Dohmen, Das Prinzip Fairtrade, Berlin 2017

Kurze Geschichte der Fairhandelsbewegung

Schon 1826 gab es in Baltimore/USA die sogenannten „Free Produce Stores“, in denen keine von Sklaven gefertigten Waren verkauft wurden. Diese bestanden allerdings nur eine kurze Zeit.
1946 verkaufte Ruth Byler in Akron/Pennsylvania erstmals Stickarbeiten aus Puerto Rico, für die sie den Produzentinnen einen „anständigen Preis“ bezahlt hatte. 1962 eröffnete sie den ersten Fair Trade Shop in Ohio. Sie wurde von den Mennoniten unterstützt, der sie angehörte. Dadurch wurde die Self Help Crafts- Bewegung ausgelöst, die 1996 in „Ten Thousand Villages“ umbenannt wurde und heute eine der größten Fairhandelsorganisationen ist.
1942 gründeten die Quäker in England OXFAM (Oxford Committee for Famine Relief = Oxforder Komitee zur Linderung der Hungersnot) und unterstützten Hungernde in Ländern, die durch den Zweiten Weltkrieg zerstört waren. Später orientierten sie sich in den globalen Süden. Ab Ende der 1950er Jahre widmete sich Oxfam verstärkt der Armutsbekämpfung in ehemaligen Kolonien und anderen armen Ländern. Weltweit ist OXFAM Fairtrade die erste Organisation, die sich ausschließlich auf den Import von fairen Waren konzentrierte.
1959 wurde in Kerkrade/Niederlande S.O.S. (Komitee Steun voor Onderontwikkelde Streken) gegründet, das zur Keimzelle des fairen Handels in Europa wurde.
1968 hatte der niederländische Journalist Dirk Scherpenzen die Idee, einen festen Ort einzurichten für Aufklärungsaktionen im globalen Norden: einen Laden. Dort sollten dauerhaft fair gehandelte Waren verkauft und Kunden auf Ungerechtigkeiten im Welthandel hingewiesen werden. In Breukelen (Niederlande) gründeten Jugendliche den ersten Weltladen („Wereldwinkel“).
1973 eröffnete in Stuttgart (Blumenstraße) der erste Weltladen in Deutschland, damals als „Dritte-Welt-Laden“. Er existiert nicht mehr.
1973 wurde „Indio-Kaffee“ aus Guatemala als erstes fair gehandeltes Lebensmittel in den Niederlanden und in Deutschland verkauft.
1975 wurde die Arbeitsgemeinschaft Dritte Welt Läden gegründet als Vorläuferin des 1998 geschaffenen Weltladen-Dachverbands.
Lernen und Handeln stehen gleichgewichtig nebeneinander: „Wandel durch Handel“. Jutetaschen aus Bangladesch werden 1978 mit dem Slogan „Jute statt Plastik“ zum Symbol für die Alternativbewegung und für einen anderen Lebensstil.
1989 wurde mit Unterstützung der Self Help Craft-Bewegung die WFTO (World Fair Trade Organisation, Weltfairhandelsorganisation) gegründet.
1992 erfolgt die Gründung der Siegelorganisation Transfair, die das Produktsiegel Fairtrade vergibt. Seit 2010 gibt es die Naturland Fair Zertifizierung. Die so gesiegelten Produkte sind alle ökologisch erzeugt und fair gehandelt.
2013 wurde Fair-Band als Bundesverband für fairen Import und Vertrieb gegründet.
Mittlerweile bestehen in Deutschland rund 850 Weltläden.
Die Bezeichnung Dritte-Welt-Laden wurde erst von Eine-Welt-Laden und später überwiegend von Weltladen abgelöst.